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Außergewöhnliche Geschäftsstellen – 1845 bis heute

eingestellt von Christian Seifert am 13. März 2018

Geldannahmestellen beim Bäcker, eine fahrbare Zweigstelle oder ein Drive-in – wir hatten in unserer Geschichte schon viele Ideen, um nah am Kunden zu sein. Einige gibt es noch heute.

Berlin, 1845. Das Geschäft von der Berliner Sparkasse floriert und sie beschließt, ein neues Konzept auszuprobieren, um den Kundenmassen Herr zu werden und um die Wege für die Sparer zu verkürzen. In Annahmestellen, die von Einzelhändlern in ihren Läden betrieben werden und über die ganze Stadt verteilt sind, können Kunden ihr Geld einzahlen. 1870 gibt es bereits 26 Annahmestellen. Bis 1897, die Sparkasse hat mittlerweile zwei Standorte, steigt die Anzahl der Annahmestellen auf 92 . Das Angebot klingt sinnvoll, wird aber anfangs nicht von vielen Kunden genutzt. Die meisten haben Angst, dass die Einzahlung bei einer Annahmestelle nicht sicher ist und das Geld verloren geht. Trotzdem halten wir am Konzept fest. Sogar in der Nachkriegszeit nach 1945 gibt es noch zahlreiche Annahmestellen in Berlin.

Berlin, 1954. Die Sparkasse der Stadt Berlin betreibt im Ostteil der Stadt seit Anfang der 1950er Jahre sogenannte Betriebszweigstellen, also Räume in Unternehmen wie dem Berliner Glühlampenwerk oder in Verwaltungseinrichtungen wie dem Ministerium der Finanzen. Anfangs als „Betriebssparstellen“ bezeichnet, erweitert man schon bald das Leistungsangebot, sodass sich der Name in „Betriebszweigstellen“ ändert. Ziel ist es, die Spartätigkeit der Beschäftigten zu fördern und Finanzgeschäfte zu erleichtern. Außerdem sollen die Filialen im Stadtgebiet entlastet werden. Bis zum Ende der DDR gibt es Betriebszweigstellen, 1988 noch in 17 Unternehmen und zwei Warenhäusern.

Berlin, 1965. Die Sparkasse der Stadt Berlin West eröffnet ihren ersten Autoschalter für Ein- und Auszahlungen in der Bundesallee (Berlin-Wilmersdorf). Der Kunde kann hier – wie beim Drive-in im Fast-Food-Restaurant – direkt mit dem Auto vorfahren und wird von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter bedient. Damit liegt die Berliner Sparkasse voll im Trend: Auch andere Institute entdecken in dieser Zeit den Drive-in für sich.

Berlin, 1969. Der erste Sparkassenbus Berlins rollt durch den Westteil der Stadt. Zunächst ist sein Einsatzgebiet auf Heiligensee, Staaken, Kladow und Nikolassee begrenzt, später setzt die Sparkasse ihn auch in anderen Stadtteilen ein. Nicht, weil dort Standorte geschlossen werden, sondern noch nicht gebaut sind. Die sogenannte „fahrbare Zweigstelle“ hat sogar eine eigene Haltestelle. Bis Mitte der 1970er Jahre fährt die mobile Filiale durch Berlin-West, der Bus ist zwischendurch ausgetauscht und durch einen moderneren ersetzt worden. Der erste Sparkassenbus Deutschlands fuhr übrigens durch Bremen und das schon 1951.

Berlin, 1971. Die Digitalisierung beginnt: Nach dem Autoschalter kommt der Fernseh-Autoschalter der Berliner Sparkasse. „Der Kunde kann vom Auto aus schnelle Zahlgeschäfte, wie Scheckeinlösungen und Einzahlungen ohne Zeitverlust und Parksorgen erledigen“, schreibt die Sparkasse der Stadt Berlin West am 19. Januar 1971 in einer Pressemitteilung. Die Abwicklung läuft per Rohrpost. Das Vorgehen sei ganz einfach, heißt es in einem Werbeflyer: „Sie bleiben im Wagen und drücken auf den Knopf. Jetzt erscheint ihr Gesprächspartner im Fernsehbild. Hier werden Sie über eine Fernseh- Sprechanlage persönlich bedient. Und dann – Gas geben – weiterfahren.“

Und heute?

Der Sparkassenbus und gewissermaßen auch die Annahmestellen von 1897 und die Betriebszweigstellen aus den 1950er Jahren haben 2017 bei uns eine Wiederbelebung erfahren:

Jetzt fährt der Bus Justav Stadtteile an, die keinen eigenen Standort mehr haben und das Beraterteam im Kiez teilt sich an den roten Schreibtischen die Räumlichkeiten mit der Diakonie oder Krankenhäusern. Nur eben ohne die Möglichkeit der Geldannahme oder –auszahlung.

Damit ist Justav nicht alleine: Heute fahren noch rund 50 rote Busse durch ganz Deutschland (Stand: 2014) und helfen den Kunden bei ihren Bankgeschäften. Die Formate reichen vom Kleintransporter wie bei uns bis hin zum Omnibus mit einem Geldautomaten an der Seite und rollstuhlgerechtem Einstieg.

Autoschalter und Fernsehschalter gibt es bei uns und anderen Sparkassen bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht mehr. Das Verfahren sollte Zeit sparen, war aber viel aufwändiger als gedacht. So wurden die meisten Autoschalter nach Einführung des Geldautomaten wieder abgeschafft. Außer bei der Sparkasse Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen. Sie betreibt noch immer einen Autoschalter, der vor allem von Firmenkunden für die Einzahlung von Bargeld genutzt wird. Darüber hinaus sind die Sparkassen Drive-ins nur noch als Bausatz für Modelleisenbahnen zu haben.

Sie wollen noch mehr über die Geschichte des Sparens erfahren? Dann besuchen Sie bis zum 26. August 2018 die Ausstellung „Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend“ im Deutschen Historischen Museum, die in Kooperation mit der Berliner Sparkasse entstanden ist.

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