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Die Berliner Sparkasse im Kaiserreich

von Tanya Zlateva am 2. Februar 2018


Anfang der 1860er Jahre kommen die Gemeinden Wedding und Moabit sowie einige Gebiete von Schöneberg und Tempelhof zu Berlin und mit der Reichsgründung 1871 wird Berlin zur Hauptstadt des Deutschen Kaiserreichs.

Die Stadt entwickelt sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem politischen und kulturellen sowie wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zentrum von weltweitem Rang. Bekannte Unternehmen, wie Borsig, Siemens, Schwartzkopff und die AEG, sind hier ansässig und schaffen zehntausende von Arbeitsplätzen. 1877 überschreitet die Bevölkerung Berlins die Millionengrenze, um 1900 leben fast zwei Millionen Einwohner in der Hauptstadt.

Und die Berliner Sparkasse wächst rasant mit. Ende der 1880er Jahre erreichen die Einlagen der Sparkasse die 100 Millionen-Mark-Grenze, die Berliner besitzen zu diesem Zeitpunkt rund 420.000 Sparbücher. Um 1900 betragen die Einlagen bereits knapp 250 Millionen Mark bei rund 675.000 Sparbüchern.

Umzug ins Rote Rathaus

Das alte Berliner Rathaus wird in den 1860er Jahren durch einen Neubau, das Rote Rathaus, ersetzt. Zu Beginn der 1860er Jahre nimmt die Sparkasse die unteren Räume der Gerichtslaube hinzu. Als die Gerichtslaube 1871 ebenfalls abgerissen wird, siedelt die Berliner Sparkasse in den Rathausneubau über und bleibt dort bis 1875. Vom Roten Rathaus zieht die Berliner Sparkasse ins Palais Podewils, das sich in der Klosterstraße neben der Parochialkirche befindet.

Da auch diese Räumlichkeiten bald zu klein werden, verlegt man 1893 die Sparkassenzentrale in das Mühlendammgebäude. Dieses Gebäude steht damals an der Stelle, wo heute zwischen Gertrauden- und Grunerstraße der Mühlendamm mehrspurig die Spree überquert. Der Kassenraum ist im Erdgeschoss untergebracht, sehr großzügig angelegt und auch mit elektrischer Beleuchtung ausgestattet. Insgesamt elf Kassen finden hier Platz.

Samstags geöffnet

Die Sparkasse hat werktäglich von 9 bis 14 Uhr geöffnet, sonnabends auch abends von 18 bis 21 Uhr. Da am Sonnabend die Wochenlöhne ausgezahlt wurden, soll der arbeitenden Bevölkerung die Möglichkeit gegeben werden, den nicht benötigten Teil des Wochenlohns direkt bei der Sparkasse einzuzahlen.

Zur Jahrhundertwende sind rund 90 Personen bei der Sparkasse beschäftigt. Im gesamten Stadtgebiet unterhält sie neben der Zentrale am Mühlendamm eine Filiale in der Linkstraße sowie 92 Annahmestellen, bei denen nur Einzahlungen möglich sind. Sie sind durch ein Amtsschild gekennzeichnet und werden ehrenamtlich fast ausschließlich von Kaufleuten betrieben.

Kundenandrang und lange Wartezeiten

In der Lokalpresse wird über den zuweilen sehr starken Kundenandrang in der Kassenhalle der Sparkassenzentrale verbunden mit langen Wartezeiten bei der Abfertigung berichtet.

In einer Schilderung von 1897 heißt es:
„Versuche, durch Einstellung eines größeren Beamtenpersonals ein günstiges Resultat zu erzielen, haben nicht den gewünschten Erfolg gehabt. … Da das Publikum immer noch von dem Vorurteil befangen ist, dass die Niederlegung seiner Ersparnisse in der Annahmestelle nicht die gleiche Sicherheit biete wie bei der Einzahlung in der Hauptkasse“.

Buchhalter, Kontrollbeamte und Kassierer

Zudem ist die Bearbeitung der Ein- und Auszahlungen sehr arbeitsintensiv. Jeder Kunde erhält beim Betreten der Geschäftsstelle eine auf einem Pappstück befindliche Abfertigungsnummer. Diese Nummer wird vom Buchhalter aufgerufen, der vom Kunden die Bestellung entgegennimmt und die Buchung erst im Konto und dann im Sparkassenbuch ausführt.

Ins Sparkassenbuch wird dann ein Abfertigungsstreifen aus Pappe gelegt. Die sich darauf befindliche Nummer stimmt mit der an den Kunden gegebenen Abfertigungsnummer überein. Das Sparkassenbuch wird dann vom Kontrollbeamten übernommen, der die Richtigkeit der Eintragungen prüft und gegenzeichnet.

Nach Eintrag ins Kontrollbuch wird es dem ihm gegenübersitzenden Kassierer übergeben, der die betreffende Eintragung in sein Kassenbuch bucht, die Ein- bzw. Auszahlung vornimmt und dann das Sparkassenbuch an die sich durch die Abgabe der Abfertigungsnummer ausweisende Person zurückgibt.

Fotos: Historisches Archiv Berliner Sparkasse

Sie wollen noch mehr über die Geschichte des Sparens erfahren? Dann besuchen Sie bis zum 26. August 2018 die Ausstellung „Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend“ im Deutschen Historischen Museum, die in Kooperation mit der Berliner Sparkasse entstanden ist.

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Kommentare


Ingrid Grasse schreibt am 15.02.2018 um 15:09 Uhr:

Ein sehr interessanter Bericht. Ich selber habe im Jahr 1969 bei der Sparkasse eine Lehre begonnen und die Methode der Abfertigungsstreifen, damals dann Autragszettel, erlebt und bearbeitet. Das hat sich wohl noch ein paar Jahre lang bewährt. Heute bin ich im Ruhestand und habe den Bericht mit viel Freude gelesen. Vielen Dank dafür. Liebe Grüße aus Berlin-Neukölln

Antwort von Tanya Zlateva am 15.02.2018 um 15:54 Uhr:

Hallo Frau Grasse, das ist ja schön, dass wir Ihnen mit dem Beitrag Freude bereiten konnten und Sie auf eine Reise zurück in die Zeit mitnehmen konnten. Wir wünschen Ihnen alles Gute und einen wunderschönen Tag!

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