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Interview mit den Börsen-Experten der Berliner Sparkasse (2/3)

Im ersten von drei Interviews erzählten drei Regionalleiter der Berliner Sparkasse Dr. Christian Beyer, Dirk Weichert und Frank Schröter wie sie zu der Börse gekommen sind und welche ihre größten Erfolgen mit Wertpapieren waren. Im zweiten Teil erinnern sie sich aber auch an Misserfolge und erläutern ihre persönlichen Strategien für den Wertpapierhandel.

Über Erfolge spricht es sich ja immer leicht, nicht jedoch über Misserfolge. Was war denn das schlechteste Börsengeschäft ihres Lebens ?

Frank Schröter, Regionalleiter der Berliner Sparkasse in Pankow/Prenzlauer Berg

Herr Schroeter: Ich habe mal regelmäßig Börsenbriefe abonniert. Da gab es klassische Insiderberichte, die zu einer bestimmten Zeit, als die Märkte nur nach oben gingen, wie Pilze gewachsen sind. Damals bin ich auch mal einer Empfehlung gefolgt für einen Goldminen-Wert, der mittlerweile in die Insolvenz gegangen ist. Ich hatte mich inhaltlich auch nicht damit beschäftigt, sondern nur auf den Insidertipp gehört. Es ging damals darum, dass weitere Rohstoffe gefunden und Gebiete erschlossen werden. Das wurde aber alles nichts.

Herr Weichert: Auch hier muss ich den Französischen Aktienindex nennen. Sie sehen, ich habe da nicht nur einmal spekuliert (lacht). Mit einer Investition habe ich nahezu Totalverlust erlitten, was aber bei Termingeschäften auch mal passiert. Ansonsten hatte ich vor nicht allzu langer Zeit in die Thyssen-Aktie größere Erwartungen gehabt, als sich umsetzen ließen. Das war auch ein ziemlich großer Misserfolg.

Dr. Beyer: Das schlechteste Börsengeschäft meines Lebens war die Teilnahme an der dritten Privatisierungswelle bei der Deutschen Telekom. Wenn ich mich recht erinnere, wurden die Aktien damals zu einem Preis von 66,50 Euro emittiert. Heute beträgt der Kurs etwa 12 Euro – auf lange Sicht ein sehr unerfreuliches Geschäft.

Sie handeln also auch privat mit Aktien. Haben sie hierbei eine bestimmte Strategie, mit der sie vorgehen? Was interessiert Sie besonders?

Dr. Christian Beyer, Regionalleiter der Berliner Sparkasse in Zehlendorf

Dr. Beyer: Heute ist meine Leitlinie: Weniger Geschäfte abschließen und weniger dem Irrglauben verfallen, ich könnte vorhersehen, welche kurzfristigen Trends sich ergeben. Ich ziele nicht darauf ab, schnell einen bestimmten prozentualen Ertrag zu erwirtschaften. Vielmehr halte ich heute an Werten fest, die ich einmal gekauft habe und lasse mich von kurzfristigen Kursschwankungen nicht zu sehr leiten. Ich vertraue darauf, an langfristigen und nachhaltigen Wertsteigerungen zu partizipieren. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Durststrecken, wie wir sie in den letzten 10 Jahren mehrfach erlebt haben, zu überstehen und nicht in Panik zu verfallen.

Herr Weichert: Alles, was ich langfristig für meine eigene Altersvorsorge tue, hat eine relativ einfache Strategie: Noch bin ich jung genug (Anm. der Redaktion: 48), dass ich ausschließlich in Aktien investiere, weil ich glaube, dass ich darüber langfristig den höchsten Ertrag erzielen kann. Da habe ich eine Struktur und spare monatlich, um die Schwankungen des Marktes gezielt zu nutzen. Und Schwankungen gab es ja genug, die dann positiv zu Buche schlagen. Was ich vorher mit den Französischen Aktien oder auch Lufthansa und Thyssen-Krupp gemacht habe, war ehrlich gesagt eher strategieloses Rumspielen.

Herr Schröter: Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus versuche ich eher global zu denken. Das heißt: Für mich sind Fonds am besten, wobei ich einen Schwerpunkt auf Aktienfonds setze. Und hierbei verfolge ich eben lieber weltweite Ansätze als eine Spezialisierung oder Länderspezifikation vorzunehmen. Das Prinzip dahinter ist, dass ich schon durch die Fondauswahl diversifiziere. Das heißt, ich reduziere das Risiko, in dem ich mich breiter aufstelle.

Damit haben Sie ja schon einige wichtige Ansätze und Strategien genannt. Gibt es dennoch noch einen gezielten Tipp, den Sie Nachwuchsanlegern/innen geben wollen?

Dirk Weichert: Regionalleiter der Berliner Sparkasse in Tempelhof/Kreuzberg

Herr Weichert: Die Altersvorsorge ist sehr wichtig und langfristig ausgelegt. Hierbei sind Aktien für mich der relevanteste Baustein – jeder junge Mensch sollte die Möglichkeiten nutzen und von den langfristigen Wertsteigerungen profitieren. Dabei empfehle ich monatliche oder halbjährliche Einzahlungen und keine Einmal-Anlagen.

Dr. Beyer: Ich würde jungen Menschen raten, erst einmal ihre eigenen Erfahrungen zu machen und sich an das Thema heranzuwagen. Bevor die Ersparnisse angelegt werden, sollten sie sich allerdings einen klaren Plan machen. Dazu gehört, sich intensiv damit zu beschäftigen, welche Risiken sie bereit sind zu tragen: Wie viel von dem eingesetzten Kapital darf  im schlimmsten Fall verloren gehen? Selbstverständlich ist auch eine breite Streuung der Anlagen sehr wichtig. Dafür empfehle ich Fonds.

Herr Schröter: Ich empfehle jedem, etwas im Bereich Wertpapiere zu tun, sei es für die Altersvorsorge oder die Kapitalrücklage. Die Höhe muss natürlich ans eigene Budget angepasst werden. Einen Fondsparplan zum Beispiel können junge Menschen heute mit einer noch recht überschaubaren Größe von 25 Euro starten. Insofern sollte man damit früh beginnen, weil beim Fondsparen über die Zeit Werte entstehen, die klassische Sparprodukte besonders in einer Niedrigzinsphase nicht bieten können.

Noch mehr Spaß am Sparen haben junge Menschen vielleicht, wenn sie ihre Eltern oder Großeltern dafür begeistern können, zum Geburtstag oder zu Weihnachten den Sparplan zu unterstützen, damit nicht das eigene Taschengeld zur Seite gelegt werden muss. Daran knüpft ein weiterer wichtiger Punkt an: Kapital sollte immer so investiert sein, dass es nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt dringend gebraucht wird. Dieser Druck wäre gefährlich, da man die Märkte nie ganz klar vorhersehen kann – sonst wären schon ganz viele Leute sehr viel reicher.

In unserem aktuellen Beitrag stellen wir fünf wichtige Frauen aus der Börsenwelt vor. Auch wenn die Anzahl steigt, ist der Anteil der Frauen im Börsengeschäft noch sehr gering. Warum ist das so?

Herr Weichert: Das habe ich noch nie verstanden. Aber: Es ist auffällig. Die Chancen sind da, Frauen werden hier gesucht. Sie wären sicherlich sehr gut in diesem Job, weil sie gut abwägen können und das Konkurrenzdenken nicht so stark ausgeprägt ist. Ich fände es gut, wenn junge Frauen zur Börse kommen.

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