Berliner Sparkasse  

Schüler arbeiten eindrucksvoll Holocaust-Memoiren auf

von Tanya Zlateva am in Gut für BerlinKommentieren

Es war ein besonderer Nachmittag für die Schüler der Georg-von-Giesche-Schule, als sie ihre erarbeiteten Präsentationen am 20. September im Max Liebermann Haus vorstellten. „Gegen das Vergessen“ lautete das Motto des Projekts, bei dem sechs Gruppen aus der neunten und zehnten Klasse 15 Memoiren des im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag erschienen Bandes „Mit meiner Vergangenheit lebe ich“ mit Zeichnungen, Collagen, Fotos, Zitaten und Textpassagen aufarbeiteten.

„Wir haben uns gefragt, was gilt es zu tun, damit nie wieder so etwas passiert. Diese Zeit darf nicht vergessen werden und Ihr tragt es mit Eurem Projekt ins Leben weiter“, sagte Bianca Richardt, Leiterin des Bereichs Stiftungen der Berliner Sparkasse bei ihrer Eröffnungsrede. Die Idee zu diesem Projekt entstand anlässlich der Verleihung des Margot Friedländer-Preises der Schwarzkopf-Stiftung, als die Löcknitz-Grundschule in Schöneberg Anfang 2016 für das Projekt „Denk-mal an jüdische Bürger“ einen Anerkennungspreis erhielt. Der Preis ruft Schüler ab der fünften Klasse dazu auf, sich mit dem Holocaust auseinander zu setzen, um sich gegen heutige Formen von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen. Ein tiefgreifendes und komplexes Projekt, ein noch zu schwerwiegendes Thema für 11-12-jährigen befand jedoch die Schulleitung der Löcknitz-Grundschule, weshalb sie hierfür die kooperierende weiterführende Georg-von-Giesche Schule vorschlug.

Erlebnisse außerhalb des Vorstellbaren

Zu tiefst traurig empfanden die beiden 13-jährigen Mädchen Denise Lubs und Lilli Genthe die Erzählung von Ivan Lefkovits, die sie mit Auszügen aus seinen Texten und einem Bild von ihm auf einer Pinnwand darstellten. „Die Todesmärsche und die vielen Toten im KZ. Das ist unvorstellbar für uns“, sagten die Mädchen über ihre Auseinandersetzung mit den Holocaust-Erinnerungen. Ivan Lefkovits, 1937 in Prešov (Tschechoslowakei) geboren, verlor im Holocaust bis auf seine Mutter seine gesamte Familie und schrieb seine Erinnerungen aus dieser Zeit nieder.

Ein wenig unsicher fühlten sich die Mädchen zunächst, als sie Ivan Lefkovits und seiner Frau an diesem Nachmittag persönlich gegenüberstanden. Lefkovits, Autor und Herausgeber des Bandes, war es wichtig, an diesem Tag als Zeitzeuge anwesend zu sein und kam hierfür eigens aus der Schweiz angereist. „Es sind teils Fragen, deren Antworten ich längst vergessen habe“, sagte Lefkovits zu den Mädchen und erklärte, dass nur noch acht der 15 Zeitzeugen am Leben seien.


 

„Es muss aufgeschrieben werden“
Vor 22 Jahren hatte sich eine Gruppe Holocaust-Überlebender in der Schweiz gegründet. „Doch da haben wir uns immer nur das Gleiche erzählt. „Wo warst du, in welchem Lager, welcher Baracke?“. So kam uns die Idee, unsere Geschichten aufzuschreiben“, erklärte Lefkovits bei seiner Rede den Schülern und anwesenden Gästen. „Warum mussten die Geschichten aufgeschrieben werden? Vielleicht tun wir hier nicht etwas für uns, sondern für sechs Millionen Menschen, die nicht mehr am Leben sind“, so Ivan Lefkovits weiter. Es sind erschütternde Erlebnisse, die die Zeitzeugen zu Papier brachten. Lefkovits wollte sie deshalb nicht in einem Buch zusammengefasst sehen, sondern in einzelnen Heften. Doch vor allem gegen das Vergessen an diese dunkle Zeit deutscher Geschichte sind die Erinnerungen wichtig, besonders für junge Menschen, die zunächst keinen Bezug zu diesem Thema haben. Dass sie hierfür außerordentliche und reife Fähigkeiten besitzen, zeigten die Schüler bei ihren Präsentationen und Ausstellungen der Arbeiten. Sie trugen Textauszüge vor und erstellten Bilder und Collagen. Ivan Lefkovits zeigte sich tief berührt von den Arbeiten der Schüler und bot seine Unterstützung für weiterführende Schülerprojekte zu Thema Holocaust an.

Im Anschluss an die Präsentation gab es für die Gäste die Möglichkeit sich die Ausstellung mit den Arbeiten anzuschauen und mit Ivan Lefkovits persönlich ins Gespräch zu kommen.

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