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Sparmeister

eingestellt von Tanya Zlateva am 23. August 2018 | Kategorie: 200 Jahre

Es ist und bleibt ein Phänomen: Sparen. Selbst Hyperinflationen und Niedrigstzinsen halten die Menschen nicht davon ab. Besonders sparsam sind die Deutschen. Der Wirtschaftshistoriker Robert Muschalla hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Und zeigt als Kurator der Ausstellung „Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend“ im Deutschen Historischen Museum, dass immer schon viel mehr dahintersteckte, als ab und an etwas Kleingeld in die Spardose zu stecken.

Den Anstoß für die Ausstellung, die seit März im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist, gab die Berliner Sparkasse anlässlich ihres 200. Jubiläums. Das Museum regte an, daraus eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung des noch weitgehend unbeleuchteten Sparphänomens zu machen. Entsprechend hoch wurde die Messlatte gelegt: „Es sollen gesellschaftlich relevante Fragen aufgeworfen werden“, erklärt Robert Muschalla.

Die Berliner Sparkasse unterstützt das Projekt, nicht zuletzt dadurch, dass sie ihr umfassendes Archiv öffnete. Dort hat Muschalla Akten gewälzt und Bilder gesichtet. Seine verblüffende Erkenntnis: „Die Deutschen sind aus sozial- und wirtschaftspolitischen Gründen zu großen Sparern gemacht worden. Und das hat sich dann mehr oder weniger verselbstständigt.“ Die frühen Sparkassen, gegründet im Geiste der Aufklärung, seien im Grunde Institutionen zur Erziehung der unteren Bevölkerungsschichten gewesen. Mit dem Ziel, die Gesellschaft insgesamt zu verbessern.

Sparen war also ursprünglich ein Mittel zur Disziplinierung, erfuhr aber schon bald eine ideologische Aufladung: Im späten 19. Jahrhundert wurde das Bild der schaffenden Arbeit nationalisiert, erklärt Muschalla. Sparen wurde dann als Ergebnis der „ehrlichen“ Arbeit propagiert und für antisemitische Propaganda missbraucht. Eine Art Gute-Zinsen-schlechte-Zinsen-Geschichte also, die vor allem im Nationalsozialismus fortgeschrieben und mit Bildern aus der Blut-und-Boden-Ideologie illustriert wurde.

Heute stellt die Niedrigzinsphase das klassische Sparen auf den Prüfstand. Warum wird dennoch fleißig weitergespart? „Sparen ist ein Selbstzweck geworden. Die heutige Situation verdeutlicht das sehr gut“, sagt Muschalla. Obwohl klassische Sparformen quasi ein Verlustgeschäft seien, würden die Menschen munterweitersparen. „Wir Historiker sagen, es ist habitualisiert, zur Gewohnheit geworden. Man spart um des Sparens willen. Wirtschaftlich gesehen ist die klassische Sparanlage im Moment absolut irrational.“

Für viele Menschen bedeute Sparen allerdings auch, fürs Alter vorzusorgen, dessen ist sich der Historiker natürlich bewusst. Ganz ohne Sparen und ohne Altersvorsorge, wie sie zum Beispiel die Sparkasse anbietet, würden sich viele Menschen tatsächlich der Gefahr der Altersarmut aussetzen. Muschalla verweist aber auch in diesem Zusammenhang auf die komplexen gesellschaftspolitischen Hintergründe: Demnach hängen Sinn und Form des Sparens immer auch vom historischen Kontext ab.

Darum wünscht der Historiker sich einen bewussteren Umgang mit dem Thema. Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum soll einen Schritt in diese Richtung machen. Chronologisch erleben Besucher die Geschichte des Sparens, zwischendurch geht es in Themenräumen beispielsweise um Sparerziehung oder die Rolle der (Haus-)Frau. Ein Kino zeigt Sparreklame – den ersten Werbefilm etwa, der die Leute 1918 dazu anhalten sollte, das Ersparte in Kriegsanleihen zu stecken. Sparen war eben immer schon ein Kind seiner Zeit. Wirtschaftlich gesehen sei es zwar nichts anderes als das Zurückbehalten von Teilen des Einkommens, sagt Muschalla. Aber die eigentliche Frage laute: „Was bedeutet Sparen kulturell und gesellschaftlich?“

Aufgrund des goßen Interesses wurde die Ausstellung, die ursprünglich bis August geplant war, bis November 2018 verlängert.

 

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