Berliner Sparkasse  

Weltmeister im „Nicht Geld ausgeben“

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Robert Genz, Berliner Sparkasse

Robert Genz (31 Jahre) ist Wertpapier-Experte und Leiter des BeratungsCenters der Berliner Sparkasse am Nollendorfplatz. Mit uns sprach er über den Glücksfaktor an der Börse, die weltmeisterlichen Deutschen und Flop-Papiere.

Die Gewinner beim Planspiel Börse erzielen beachtliche Renditen in kurzer Zeit. Viele Schülerinnen und Schüler machen aber die – ebenso wichtige – Erfahrung, dass eine Investition in Aktien sehr riskant sein kann. Ist die Börse ein Glücksspiel?

Auf den ersten Blick könnte man auf diese Idee kommen. Gerade in der kurzen Zeit, in der das Planspiel Börse läuft. Grundsätzlich wird bei dem Planspiel mit einer Phantasie gearbeitet – ich muss davon ausgehen oder darauf hoffen, dass die Aktien, die ich auswähle, innerhalb von kürzester Zeit einen Ertrag machen. Dazu braucht es immer auch eine Portion Glück – wichtiger ist aber die richtige Strategie. Ein gutes Beispiel sind die erfolgreichen Schüler-Teams aus dem Vorjahr: Sie haben ein Teil des Geldes in Unternehmen investiert, die vom Weihnachtsgeschäft profitieren und zum Beispiel auf besondere Chancen wie zum Beispiel ein mögliches Comeback von VW an den Börsen gesetzt haben. Das Wichstigste aber, Sie haben gut gestreut. Das heißt: Sie haben ihr Geld auf verschiedene Aktien verteilt. Mit der richtigen Strategie wird der Glücksspiel-Charakter also minimiert. Ganz ohne Glück für das richtige Timing geht es mit Aktien – also auch beim Planspiel Börse – aber nicht.

Auf der Preisverleihung zum Planspiel Börse 2015 haben Sie gesagt, dass die Deutschen nicht sehr aktiv an der Börse sind. Können Sie das mit Zahlen belegen?

global-walth-report-2015Zunächst einmal muss ich eine Lanze für die Deutschen brechen: Wir sind nämlich nicht nur im Fussball Weltmeister, sondern auch im Sparen. Also im „Nicht Geld ausgeben“. Laut einer Studie der Allianz liegen wir hier im Vergleich mit anderen Industrienationen ganz weit vorne. Anders sieht es allerdings beim Vermögen aus: Wenn wir beim Fussball bleiben, sind wir quasi Absteiger: Platz 18.

Und das hat etwas mit der Börse zu tun?

Ich sage es mal so: Dass die Schweiz auf Platz 1 der vermögenden Länder liegt, ist sicher nicht nur auf die Schokolade zurückzuführen. Die Schweizer legen ihr Geld auf jeden Fall anders an als wir Deutschen. Ein Drittel haben sie kurzfristig auf Tagesgeldkonten und in Sparbüchern, ein Drittel in Wertpapieren mit einer gesunden Mischung aus Aktien und sicheren Anleihen, das letzte Drittel ist für die Altersvorsorge. Durch diesen Anlage-Mix nutzen Sie die Chancen am Markt und erzielen insbesondere in der anhaltenden Niedrigzinsphase einen Mehrgewinn. Zum Vergleich: In Deutschland sind mehr als 50% der Gelder nicht mit einem langfristigen Zeithorizont angelegt, sondern liegen auf dem Tagesgeld- Spar- oder Girokonto zu aktuell kaum/keinen Zinsen.

Ist die Schweiz da besonders?

Sicherlich, aber es zieht sich wie ein roter Faden durch die Liste. Die USA haben das zweitgrößte Pro-Kopf-Vermögen und haben hier die größten Wachstumsraten. Die Amerikaner haben nur zehn Prozent auf den kurzfristigen Konten, ein Großteil des Vermögens haben sie in Aktien.

Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung der Deutschen am Aktienmarkt?

Vielleicht ist es eine Frage der Geschichte, dass wir Deutschen lieber in sichere Anlagen investieren. Andererseits gab es auch Zeiten, in denen die Deutschen viel in Aktien investiert haben. Vielleicht haben die Schüler von heute ja schon der „Volksaktie Telekom“ gehört.

„Von der Volksaktie zum Flop-Papier“, hat der Spiegel einst getitelt…

Telekom-Aktie

Kursverlauf der Telekom-Aktie seit 1996 Quelle: ThomsonReuters, eigene Berechnungen, Stand: 03.11.2016

Ja. Viele Anleger haben damals sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Am sogenannten „Neuen Markt“ sind viele Träume geplatzt – etliche Investoren haben ihren Einsatz zunächst schnell verdoppelt und verdreifacht, um dann schnell fast alles zu verlieren. Diese Erfahrung macht es deutschen Anlegern sicher auch heute noch schwer, Vertrauen in die Aktie zu schöpfen.

Link zum Spiegel-Artikel: „Von der Volksaktie zum Flop-Papier“

 

Sogar in der anhaltenden Phase der niedrigen Zinsen.

Genau. In der aktuellen Situation gehört die Aktie einfach dazu, wenn man etwas mehr Rendite erwirtschaften will. In welchem Umfang, sei mal dahingestellt – das ist von vielen individuellen Faktoren abhängig. Sehr wichtig sind die Risikoeinstellung und die Frage, wofür das Geld verwendet werden soll und ob es jederzeit oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehen soll. Es geht also um den richtigen AnlageMix.

Die Frage ist zumindest beim Planspiel Börse nicht so entscheidend: Am 14. Dezember ist Schluss, dann wird abgerechnet.

Das stimmt . Bei der richtigen Geldanlage sprechen wir über längere Zeiträume von mindestens drei Jahren, dagegen sind zehn Wochen fast nichts. Dennoch ist das Planspiel Börse eine sehr gute Gelegenheit, sich an die Materie Aktie heranzutasten. Die einen bekommen eher die Chancen zu spüren, die anderen eher die Risiken – daher ist es wichtig, sich auszutauschen, die Ergebnisse zu hinterfragen und somit langsam das große Themenfeld „Börse“ zu entdecken. Schließlich sind die Aktien nur ein Teil der komplexen Produkt-Welt an der Börse.

Die Anlageklassen, in die die Berliner Sparkasse verschiedenste Formen der Geldanlage an der Börse einteilt, stellen wir euch in einem der nächsten Beiträge vor. Im zweiten Teil des Interviews spricht Robert Genz über die Gewinnbeteiligungs-Mentalität der Angelsachsen, sanfte Einstiegspläne für aufgeschlossene Kunden sowie wissenschaftliche Grundlagen für die Auswahl des Wertpapier-Mix.

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