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„Wer ist schon mit null Prozent zufrieden?“

Robert Genz (31 Jahre) ist Wertpapier-Experte und Leiter des BeratungsCenters der Berliner Sparkasse am Nollendorfplatz. Im ersten Teil unseres Interviews sprach er über den Glücksfaktor an der Börse, negative Erfahrungen und die Zurückhaltung der Deutschen am Aktienmarkt. Im zweiten Teil geht es um angelsächsische Mentalität, sanfte Einstiegspläne und Nobelpreise für Wertpapier-Theorien.

 

Herr Genz, als Erklärung für die Zurückhaltung am Aktienmarkt haben Sie die negativen Erfahrungen angeführt, die viele deutsche Anleger zum Beispiel mit der „Volksaktie Telekom“ gemacht haben. Sehen Sie noch andere Ursachen?

Neben der angesprochenen Vergangenheit spielt auch die Kultur eine Rolle, die in Unternehmen selbst gelebt wird. In angelsächsischen Staaten ist es üblich, dass Mitarbeiter am Erfolg beteiligt werden, zumeist in Form von Aktien. Das gibt es hier bei uns bei den wenigsten, global agierenden Unternehmen.

 

Aber nicht jede deutsche Firma ist eine Aktiengesellschaft.

Das ist richtig. Aber es braucht keine Aktiengesellschaft, um Mitarbeiter am Gewinn zu beteiligen oder anderweitig beim Vermögensaufbau zu unterstützen: Die betriebliche Altersvorsorge und die vermögenswirksame Leistung sind zwei wirklich tolle Möglichkeiten, Geld zu sparen und für später wegzulegen. Daran beteiligt sich sogar der Staat – nur wissen das viele nicht. In anderen Nationen werden solche Chancen offener kommuniziert und publik gemacht. Arbeitnehmer werden ermuntert, diese Leistungen einzufordern. In Deutschland fehlt es hierbei auch an Transparenz: Ich glaube, dass viele deutsche Unternehmer selbst nicht um die Vorteile dieser Leistungen wissen.

 

Entdecken Sie diese Mentalität auch in den Beratungsgesprächen mit Ihren Kunden?

Einerseits ist das eine Generationsfrage. Gerade die, die schon andere Zeiten erlebt und negative Erfahrung gemacht haben, sind resistenter gegenüber den Möglichkeiten. Diejenigen denken bei Wertpapieren in erster Linie an Aktien und Risiken. Die Welt ist aber größer. Ein Investmentfonds hat nicht unmittelbar mit Aktien zu tun, er kann sogar langweiliger als Omas Sparstrumpf sein. Von konservativ bis höchst spekulativ gibt es alle Ausprägungen.

 

Und andererseits?

Andererseits suchen viele Menschen in der Niedrigzinsphase wieder nach Möglichkeiten, mehr Erträge zu erzielen als mit Sparbüchern und Tagesgeldern. Wer ist schon mit null Prozent zufrieden? Da bietet die Börse natürlich bessere Chancen. Eins ist aber klar: Zehn Prozent Rendite ohne Risiko – das gibt es nicht und hat es wohl auch noch nie gegeben. Teilweise ist hier noch Aufklärungsarbeit nötig, ein Großteil unserer Kunden ist aber sehr aufgeschlossen und fühlt sich besonders mit einem sanften Einstiegsplan sehr viel wohler.

 

Welche Wünsche äußern die Kunden denn?

Das ist genauso unterschiedlich wie die Menschen es eben sind. Der eine sagt zuerst „mehr Rendite“, ein anderer will mehr Sicherheit. Ein weiterer will immer ans Geld rankommen, ein Vierter möchte Steuern sparen. Zwischen all diesen Zielen müssen wir abwägen, wenn wir den Anlagemix bestimmen. Es gibt schließlich keinen globalen, besten Weg nach dem Motto: „X Prozent sollten in Aktien investiert werden.“

 

Was tut die Berliner Sparkasse  – was tun Sie als Experte konkret dafür, den Menschen die langfristigen Möglichkeiten an der Börse aufzuzeigen?

Wir versuchen den Kunden zuzuhören. Wofür ist das Geld gedacht? Nichts ist schlimmer, als eine Anlage zu tätigen und dann nach zwei Monaten zu merken: Jetzt brauche ich das Geld. Wichtig sind daher diese Fragen: Welches Geld brauche ich nur im Notfall? Welche Ziele habe ich mit dem Geld? Wie lange darf das Geld arbeiten? Ebenfalls ganz wichtig: Wie ruhig kann ich schlafen, wenn meine Anlage auch mal im Wert schwankt? Welche Wunschrendite habe ich eigentlich? Und wie viel Risiko bin ich bereit, für eine Chance einzugehen?

 

Wenn diese Fragen geklärt sind, suchen Sie die richtigen Produkte aus?

(lacht) So einfach ist es nicht. Zum einen gibt es jede Menge weitere Fragen, zum anderen müssen wir die Märkte genau analysieren. Die Berliner Sparkasse arbeitet dazu mit einem unparteiischen Partner zusammen: Das renommierte Beratungsinstitut FondsConsult untersucht über 4.000 Wertpapiere auf verschiedene Qualitätskriterien. Nach einer bestimmten Logik bieten wir dann ein Konzept, passend zu den Wünschen und Möglichkeiten der Kunden. Unterlegt ist das Ganze natürlich mit einer Finanztheorie – schwarz auf weiß und nicht nur aus Emotionen heraus. Für die Methodik, auf der die Musterportfolios der Berliner Sparkasse aufgebaut sind, erhielt der amerikanische Ökonom Harry M. Markowitz übrigens den Wirtschaftsnobelpreis.

 

(Die Musterportfolios der Berliner Sparkasse sind so aufgestellt, dass das Verhältnis zwischen erzielbarer Rendite und einzugehendem Risiko optimal auf das Anlegerprofil abgestimmt ist. Mehr über Markowitz und die Portfoliotheorie könnt ihr auch hier nachlesen.)

 

Professionale Analysen und eine Theorie mit Nobelpreis: Es scheint wirklich Wichtigeres als Glück zu geben an der Börse.

Wie ich anfangs bereits sagte, geht es zumindest bei Aktien nicht ganz ohne Glück für das richtige Timing. Aber auch dem können wir entgegen steuern, beispielsweise mit stückweisen Einstiegen: So wird nicht das gesamte Kapital auf einmal, sondern auf Monate verteilt eingezahlt. Hier möchte ich zur Verdeutlichung ein Bild von der Tankstelle aufwerfen: Stellt euch vor, ihr oder eure Eltern tankt immer für 50 Euro. So tankt ihr etwas weniger, wenn das Benzin teuer ist. Bei niedrigeren Preisen landet dafür mehr Sprit im Tank. Im Durchschnitt wird hierdurch bei schwankenden Preisen mehr aus dem eigenen Geld. Auf diese Weise wird man etwas unabhängiger von der Nachrichtenlage und der Phantasie der Anleger. Je länger die betrachtete Frist ist, desto weniger spielt der Faktor Glück eine Rolle.

 

Der Einfluss von politischen und wirtschaftlichen Ereignissen auf die Börse bleibt.

Natürlich – die Börse reagiert auf Fakten und sollte die wirtschaftliche Situation von Unternehmen und Ländern widerspiegeln. Sie reagiert aber auch auf Vermutungen und Phantasien. In den letzten Jahren haben z.B.  die auftretende China-Krise oder der VW-Skandal die Kurse während des Planspiel Börse beeinflusst. In diesem Jahr haben der geplante Brexit, mögliche Bankenpleiten in Italien und die US-Wahlen die Märkte bewegt. Viele Fragezeichen – und niemand kann in die Kugel gucken.

Als Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft gilt der DAX. Lest dazu mehr in unswrem Blog-Beitrag „Was ihr alles über den DAX wissen solltet“.

 

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