Berliner Sparkasse  

Womit verdient das Unternehmen sein Geld? Ein Gespräch über Nachhaltigkeit

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Robert Genz

Robert Genz (30 Jahre) ist Wertpapier-Experte und Leiter des BeratungsCenters 115 der Berliner Sparkasse am Nollendorfplatz. Für den Planspiel-Börse-Blog beantwortete er uns Fragen rund um das Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage.

Herr Genz, diese Frage gehört an erste Stelle: Haben Sie früher selbst am Planspiel Börse teilgenommen? 

Ja, zur Ausbildung bei der Berliner Sparkasse gehört das natürlich dazu. Am Anfang der Ausbildung haben wir noch über die älteren Berufsschüler gelacht, die sich in der Pause oder in der S-Bahn über Aktien unterhalten haben und sie „Übertreiber“ genannt. Nach einem halben Jahre waren wir schon genauso, als wir uns das erste mal mit Wertpapieren beschäftigt haben. (lacht)

Als ich 2002 das erste Mal am Planspiel Börse teilgenommen haben, haben meine Azubi-Kollegen und ich aus Solidarität zu unseren jeweiligen Banken Aktien gekauft. Daraus hat sich ein kleiner Spaß untereinander ergeben. Ansonsten haben wir nicht so auf die Big Player im DAX (die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Börsen-Unternehmen; Anm. d. Red.) geschaut, sondern schon versucht, etwas Besonderes zu finden. Zum Beispiel Pharma-Unternehmen, die gerade kurz vor der Entdeckung eines Heilmittels für Krebs stehen oder ähnliches – wenn so etwas aufgeht, geht die Aktie natürlich durch die Decke.

Kurz vor Beginn der diesjährigen Spielrunde des Planspiel Börse geriet Volkswagen mit dem Abgas-Skandal in die Schlagzeilen. Die Börsenspiel-Zentrale entschied, VW das Nachhaltigkeitskennzeichen zu entziehen – mit VW-Aktien können die Teams also nicht mehr im Nachhaltigkeitsranking klettern. Herr Genz, was bedeutet denn Nachhaltigkeit in der Geldanlage?

Nachhaltigkeit in der Geldanlage bedeutet zunächst, in Unternehmen zu investieren, die „nachhaltig“ sind. Wobei es hier zahlreiche Kriterien gibt, anhand derer wir ein Unternehmen und seine Politik bewerten können. In erster Linie denken wir bei Nachhaltigkeit alle an das Umweltbewusstsein. Unternehmen können aber nicht nur für die Natur, sondern auch für die Gesellschaft und somit politische Verantwortung übernehmen, durch beispielsweise faire und gleiche Behandlung der Mitarbeiter und Zulieferer. Entscheidend ist dabei, dass die Führungsebene diese Kriterien in einem Unternehmen vorgibt und auslebt.

Wie kann der mündige Investor Unternehmen auf Nachhaltigkeit überprüfen?

windrad

„Grüne Unternehmen“ aus dem Bereich Erneuerbare Energien, sei es Solar- oder Windenergie, erkennen wir natürlich schnell als nachhaltige Unternehmen – hier geht es offensichtlich um den Umweltgedanken. Was ein Unternehmen produziert oder welche Dienstleistungen es anbietet, finden wir schnell im Internetauftritt. Bei den harten Fakten der Nachhaltigkeit wird es schwieriger: Wo produziert das Unternehmen? Welche Regelungen existieren in diesen Länder? Unter welchen Bedingungen arbeiten die Menschen dort? Wie ist die ökologische Wertschöpfungskette? An diesen Fragen wird deutlich, dass es kein „reines grünes Logo“ gibt, kein „Ja oder Nein“ auf die Frage nach der Nachhaltigkeit. Die DAX-Konzerne haben sich passend dazu erst kürzlich eine eigene Ethik-Richtlinie aufgesetzt: Hier zählen sie auf, was sie für die Nachhaltigkeit tun.

Was bedeutet das für die Investoren?

Wie beim Kauf von realen Produkten müssen sie bei der Geldanlage ihre eigenen Kriterien suchen, nach denen sie Unternehmen bewerten und auf die sie achten wollen. Die erste Frage bei der Geldanlage sollte aber in jedem Fall lauten: Womit verdient das Unternehmen sein Geld? Die Antwort ist im wahrsten Sinne des Wortes greifbarer, wenn ich ein Produkt in den Händen halte. Bei Dienstleistungen ist die Bewertung schon deutlich schwieriger. Ein guten Überblick verschafft die Frankfurter Börse: Hier erhalten Nutzer Zugriff auf die Nachhaltigkeitsberichte der großen deutschen Unternehmen, zum Beispiel BASF. Ansonsten ist der persönliche Berater immer der beste Ansprechpartner und kann die verfügbaren Informationen bewerten und validieren.

Kann ich mein Geld auch nachhaltig anlegen, ohne mich über jedes Unternehmen einzeln zu informieren?

Ja, das geht. Dafür gibt es spezielle Produkte, die gerade sehr im Trend sind. Auch hier gilt: detaillierte Informationen vom Berater einholen – was steht drauf, was steckt drin in der Anlage? Einer der größten deutschen gebündelten Investmentfonds im Bereich Erneuerbare Energien ist der DEKA-Umwelt, der auf Klima- und Umweltschutz sowie auf erneuerbare Energien wie auf Solar, Wasser und Windkraft setzt. Außerdem gibt es immer mehr Produkte unter dem FairTrade-Label. Eine weitere wichtige Frage mit aktueller politischer Bedeutung: Will und kann ich die Produktion von Waffen ausschließen? Das macht beispielsweise die erste Islambank, die diesen Sommer in Deutschland geöffnet wurde. Aus religiösen Gründen gibt es hier auch keine Geschäfte mit Alkohol oder Glücksspiel. Und keine Zinsen!



Und die Berliner Sparkasse? 
Auch die Berliner Sparkasse hat sich eigene Ethik-Richtlinien aufgesetzt, die im Internet einsehbar sind. Zu unseren Leitsätzen gehört es, Verantwortung für die nächsten Generationen zu übernehmen und den Wohlstand voranzubringen. Im Büro-Alltag spiegelt sich dies auch in Kleinigkeiten wieder. Zum Beispiel bei der Entscheidung, ob ein Dokument jetzt wirklich gedruckt werden muss oder ich hier Papier sparen kann.

Eine wesentliche Richtlinie ist die prinzipielle Ablehnung von kontroverser Geschäftstätigkeit. Die gesamte Sparkassen-Organisation beteiligt sich in diesem Sinne nicht an Spekulationen auf Lebensmittel und den Agrarwirtschaft, weil diese lebensnotwendig sind. Für die Kunden heißt das: Für alle Produkte, die die Berliner Sparkasse empfiehlt, garantieren wir die Einhaltung unserer Ethik-Richtlinien.

Übrigens: Das Wertpapierhaus der Sparkassen, die DEKA, ist aktives Mitglied im Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) und fördert damit eine wichtige Initiative zur nachhaltigen Geldanlage (Anm. d. Red.).

Bio-Lebensmittel sind gewöhnlich teurer als Discounter-Ware, Öko-Strom ebenso meist noch teurer. Sind nachhaltige Wertpapiere auch teurer als andere?

So in etwa können wir das sagen, die Rechnung geht nur etwas anders. Wir müssen zugeben, dass Nachhaltigkeit und Fairness Rendite kosten kann. Die entscheidende Frage ist daher immer, welche Ansprüche ich an meine Anlage habe. Das Ziel des Beraters muss es sein, die finanziellen und moralischen, ökologischen Vorstellungen des Kunden auf einen Nenner zu bringen. Hier geht es um die eigene Rolle in der Gesellschaft: Welchen Teil der Verantwortung für unsere Zukunft möchte ich selbst übernehmen?

Wie informieren Sie sich als Wertpapier-Berater über die verschiedenen Produkte und Unternehmen? 

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Grundsätzlich haben wir professionelle Hilfe von Analysten, die für uns als Wertpapier-Berater der Berliner Sparkasse die Märkte aufarbeiten. Die Mitarbeiter bekommen dann zum Wochenanfang einen Überblick über die Geschehnisse der letzten Tage und darüber, was in den nächsten Tagen zu erwarten ist. Bei besonderen Entwicklungen und Situationen bekommen wir dann aber auch sogenannte Flash-Information. Solch ein Flash gibt auch eine Übersicht über die Presselandschaft und bewertet die Relevanz der Informationen und Fakten. Mit den Informationen, die wir als Wertpapierberater bekommen, sind wir unseren Kunden gegenüber immer auskunftsfähig und können transparent zeigen, was in dem Portfolio des Kunden passiert. Darüber hinaus sind die Zeitungen oder auch die NachrichtenApps natürlich für jeden immer ein gesundes Mittel, um die Wirtschaftszusammenhänge zu verstehen.

Sie sprechen bereits das Portfolio an. Wie entwickeln Sie eigentlich ein Portfolio für den Kunden und woraus besteht es?

Bei der Geldanlage für unseren Kunden setzen wir prinzipiell auf Beständigkeit und entwickeln daher eine komplette Anlagestrategie. Das Portfolio wird passend zur Mentalität des Kunden zusammengestellt. Dabei ist wichtig: Risiko ist keine „ja oder nein“-Entscheidung, sondern wird über die Anpassung des Aktienanteils kontrolliert. Es gibt vier Anlageklassen – Renten, Aktien, Rohstoffe, Immobilien – aus denen wir den richtigen Mix für den Kunden zusammenstellen.

(Mehr über Musterportfolios und die verschiedenen Anlageklassen gibt es auch in unserem Kundenmagazin Berliner Akzente.­)

Zum Abschluss noch einmal zurück zu VW: Wie schnell können Sie auf solche Meldungen reagieren? Wie erreichen Sie Kunden, um ggf. den Verkauf zu empfehlen?

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Auch dafür gibt es Richtlinien – wir bekommen keine Informationen, bevor sie veröffentlicht sind. Das wäre dann der bekanntlich und richtigerweise verbotene Insider-Handel. Es gibt aber klare Empfehlungen von Analysten, die für uns hochinteressant sind. Wie stehen die Experten zu einem Unternehmen? Empfehlen sie den Kauf, Verkauf oder das Halten einer Aktie? Wird hier eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen, sind wir angehalten und verpflichtet, schnellstmöglich die Kunden anzurufen und die Situation zu erklären und die Alternativen aufzuzeigen. Zum Fall VW und der jüngsten Vergangenheit möchte ich darauf hinweisen, dass es immer schlechte Nachrichten gab und geben wird. Erst war es Griechenland, dann China. Ich glaube, dass es wichtig ist, hier und da auf Gelassenheit zu setzen, sich nicht von allem verunsichern zu lassen und nicht stetig dem Herdentrieb zu folgen. Die letzte Entscheidung liegt aber immer beim Depot-Inhaber.

Auch die Planspiel-Reporter haben zum Thema Nachhaltigkeit einen Experten gefragt. Das Interview mit  Prof. Dr. Henry Schäfer vom Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart könnt ihr hier sehen:

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