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Die außergewöhnliche Geschichte einer Auszubildenden

veröffentlicht am 12. Mai 2020

Die außergewöhnliche Geschichte einer Auszubildenden

2016 kam Khadija Shandi als Geflüchtete nach Deutschland und ist mittlerweile Auszubildende bei der Berliner Sparkasse. Wir haben mit ihr über ihren beeindruckenden Werdegang gesprochen.


Frau Shandi, Sie sind bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Können Sie vielleicht kurz Ihren Weg hierher schildern?

Ich komme aus Afrin, einer Stadt aus dem kurdischen Gebiet Syriens, nördlich von Aleppo, in der Nähe der Grenze zur Türkei. Es ist mir immer sehr wichtig zu betonen, dass ich Kurdin bin und der Minderheit aus dem Norden Syriens angehöre. Dieser Region geht es schon seit einigen Jahren sehr schlecht. Aktuell ist zum Beispiel das türkische Militär dort. Seit knapp 3,5 Jahren bin nun ich mit meiner Tochter in Deutschland.

Erinnern Sie sich noch daran, wie Ihre erste Zeit in Deutschland war?

Die ersten drei Monate hier waren besonders schwierig, weil ich kein Deutsch sprechen und mich deshalb nicht verständigen konnte. Mit einer Nachbarin unterhielt ich mich ein bisschen auf Englisch und mit Gestikulieren. Ich wusste aber, dass ich unbedingt zur Schule muss, um die Sprache zu lernen. Anders geht es einfach nicht. Sechs Monate hat es gedauert, bis ich auf dem Sprachniveau B1 war. Mittlerweile bin ich auf dem C1-Niveau. Das ist alles schon sehr kompliziert. Vor allem weil jetzt auch die Fachbegriffe aus dem Bankenbereich dazukommen.

Wir erleben in Deutschland seit Jahren einen ansteigenden Rechtsextremismus und den Versuch einiger politischer Akteure, Vorurteile gegenüber Zuwanderern und Geflüchteten zu verbreiten. Haben Sie selbst negative Erfahrungen gemacht?

Es klingt vielleicht komisch, aber ich glaube, dass ich kein Kopftuch trage, hat mir sehr geholfen. Als ich gerade eine neue Wohnung gefunden hatte, sagte mir die Vermieterin, dass ich die Wohnung nicht bekommen hätte, wenn ich ein Kopftuch tragen würde. Dabei bin ich auch Muslima und das wusste sie auch. Das schien für sie aber nicht so wichtig wie das Kopftuch zu sein. Ich weiß jedenfalls nicht, ob die Menschen nun etwas gegen Geflüchtete, Muslime oder nur das Kopftuch haben. Ich verstehe es nicht.

 Sie haben sich bei einigen Unternehmen in Berlin beworben. Wie sind Sie das erste Mal auf die Berliner Sparkasse aufmerksam geworden?

Für viele der Geflüchteten war die Berliner Sparkasse sowieso die erste Adresse, um ein Konto zu eröffnen. Wenn man jemanden gefragt hat, wo man am besten ein Konto eröffnen sollte, wurde einem immer zuerst die Sparkasse empfohlen. Also kannte ich den Namen schon sehr früh. Immer wenn ich daran denke, finde ich es sehr lustig, dass ich es von der Kundin zur Mitarbeiterin geschafft habe. Bei der Jobsuche und bei der Bewerbung haben mir vor allem die Beratungsstelle MobiJob und die Initiative Einstieg zum Aufstieg geholfen. Sie haben mich beim Formulieren und Gestalten der Bewerbungen unterstützt und typische Situationen in Bewerbungsgesprächen mit mir geübt.

Wie ist es, als Geflüchtete bei der Berliner Sparkasse zu arbeiten?

Aktuell arbeite ich in der Filiale an der Hermannstraße und dort sind sehr viele der Kunden auch Geflüchtete. Ich kann sie sehr gut verstehen, auch in sprachlicher Hinsicht. Immer wenn ein Kunde hereinkommt und ein Kollege ihn nicht verstehen kann, biete ich an, diesen Kunden zu übernehmen. Arabisch und Kurdisch zu sprechen hilft schon sehr. Die Kunden freuen sich darüber sehr, die Kollegen aber natürlich auch. Ganz am Anfang fand ich es außerdem komisch, dass meine Kollegen und ich uns siezen. Ich kenne das aus meiner Sprache einfach nicht. Als sie mir das „Du“ angeboten haben, war ich sehr erleichtert.

Haben Sie schon Pläne, wie es nach der Ausbildung weitergehen soll?

In Syrien hatte ich studiert, konnte aber wegen des Kriegs nicht absolvieren. Hier in Deutschland hatte ich erfahren, dass es „Ausbildungen“ gibt. So etwas kannte ich aus meiner Heimat einfach nicht. Allerdings musste ich erst meinen Realschulabschluss nachholen, da mein Abitur aus Syrien nicht anerkannt wird. Nach der Ausbildung möchte ich aber unbedingt wieder studieren, das steht für mich fest. Am liebsten in Richtung Finanzen.

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